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5 Jul 2017

Im Angesicht des Ätna

Die Weinrunde in Sizilien

anfang.com       Eine Verkostung von Ätna-Weinen bei einem Weinrundentreffen hatte uns neugierig gemacht. Damals hatten wir relativ junge Rotweine der Appellation Etna Rosso verkostet, und wir kamen zum Schluss, dass das Gebiet um die Nordseite des Ätna ein lohnendes Ziel für eine Weinreise sein könnte, zumal auch in Fachmagazinen vermehrt Artikel über diese spezielle Weindestination erschienen waren.

Dort wird immer wieder auf die notwendige Pionierarbeit hingewiesen, die es braucht, um den Wert eines Gebietes zu erkennen, in diesem Fall z. B. durch Giuseppe Benanti, aber auch durch den Römer Andrea Franchetti, der bereits in der Toscana mit den Weinen der Tenuta Trinoro aufhorchen ließ.

Die Erzeuger der Gegend setzen auf die autochthonen Rebsorten Carricante und Catarratto bei den Weißen und Nerello Mascalese und Nerello Capuccio bei den Rotweinen. Immer wieder wird der Vergleich mit dem Barolo oder dem Burgunder bemüht, was auch zutreffen mag, da sich die jungen Rotweine durch strenge Tannine auszeichnen und im Alter durchaus an elegante Burgunder erinnern. Allerdings scheint dieser Vergleich für einige Erzeuger Rechtfertigung genug zu sein, um gesalzene Preise für ihre Weine zu verlangen. Wir sind jedenfalls schon gespannt, was uns erwartet.

Tagebucheintrag vom 21.4.2016

Benanti-Viagrande

Den Auftakt unserer Entdeckungsreise bildet – wie könnte es anders sein – das Weingut Benanti in Viagrande. Benanti gilt als einer der Pioniere der Ätnaweine. Eine schöne Einfahrt, gepflastert mit Lavastein, weist uns den Weg zum Ansitz. Der Cavaliere und sein Sohn begrüßen uns freundlich. Er ist ein gransignore und Südtirolkenner. Auch der Sohn schwärmt von unserer Heimatstadt Bruneck, er sei ein „appassionato di finferli“, wie er sagt.drittes

Das Weingut geht auf 1472 zurück, seit 1734 sind Rebberge im Besitz der Familie. Giuseppe Benanti hat 1988 das Weingut übernommen, Ende der 80er Jahre kamen die ersten Weine auf den Markt: Der weiße Pietramarina und der Etna Rosso Rovitello. Die Reben sind zum Teil 100 Jahre alt und wurzelecht.

Im Weinberg bekommen wir Einblick in die geologischen Gegebenheiten, die entscheidend für die Mineralität der Weine sind. Es handelt sich um zwei Arten von Lava: einerseits Bimsstein und als Grundlage Basalt, der das Wasser hält. Die höchsten Lagen reichen bis auf 1150 m hinauf, gewimmt wird Ende September, in den höchsten Lagen erst im Oktober. Das Sortiment wurde inzwischen auf 7 Etiketten reduziert. 70 % der160 000 Flaschen werden in 27 Länder exportiert, der italienische Markt sei nicht interessant.

Der Cavaliere erzählt gerne und hat klare Vorstellungen, was Weinerzeugung anbelangt. So hält er nichts von „Winemakern“, also von Erzeugern, die eher technisch an die Sache herangehen. Weine machen habe mit Leidenschaft zu tun. Seine Weine sollen diese Leidenschaft widerspiegeln.

Der Verkostungsraum ist voll von Diplomen für die prämierten Weine. Zweifellos hat Benanti mit seinen Weinen die Weinwelt in Erstaunen versetzt. So wollen auch wir uns überzeugen lassen von der Qualität seiner Weine. Wir beginnen die Verkostung mit den Weißweinen:

zweitesPietramarina Doc Etna bianco sup. 2012 (100 % Carricante): Noten nach Agrumen, am Gaumen mineralisch-salzig. Pietramarina 1991: Noten nach wildem Fenchel, Mandarine, leichte Feuerstein-Töne, sehr interessant. Pietramarina 1995: leicht oxydativ, nasses Heu, floreale Noten, am Gaumen an Sherry erinnernd; eher schon ein Meditationswein. Rovitello Doc Etna Rosso 2012 (90 % Nerello Mascalese, 10% Nerello Cappuccio): Duft nach Veilchen, Bittermandel, Johannisbeere, am Gaumen schöne Mineralität, Sauerkirsch, Eukalyptus, feine Tannine, elegant und filigran, sehr interessant! Serra della Contessa Doc Etna Rosso 2006 (Nerello Mascalese, Nerello Cappuccio; die Trauben für diesen Wein stammen zum größten Teil von wurzelechten Reben): Schweiß, getrocknete Tomate, Jod, am Gaumen Goudron, Orangenschale, Stachelbeere, elegante Tannine, schöne Länge! Rovitello Doc Etna Rosso 1998: Leder, Kaffee, Zimt, Bitterschokolade, Würze, im Mund Sauerkirsche, Johannisbeere, wunderbarer Schmelz, perfekt eingebundene Tannine, sehr lang im Abgang!

Azienda Agricola Biondi, Trecastagni

Unser nächster Besuch gilt Ciro Biondi, der mit seiner Frau die Azienda führt. In seinem Geländewagen bringt uns der Kahlkopf zu einem Hügel auf ca. 700m Meereshöhe. Bei der Lage „Chianta“ handelt es sich um einen alten Krater aus dem 18. Jh. Wie uns Biondi erklärt, hat sein Urgroßvater die Trockenmauern aus Lavasteinen um 1850 aufgeschichtet, welche die einzelnen Terrassen voneinander abgrenzen. Die Familiengeschichte geht allerdings bis ins 16. Jh. zurück. Alles wirkt sehr idyllisch, neben den Rebzeilen mit großteils wurzelechten Reben finden sich auch Pfirsichbäume. Die Herausforderung besteht darin, dass hier fast ausschließlich Handarbeit zum Einsatz kommt. Biondi erklärt uns, dass seine Weine von Benanti abgefüllt werden.viertes

Im zweiten Weinberg, den wir besuchen, dem 2 ha großen „Vigna di Cisterna fuori“, finden sich Reste einer griechischen Siedlung. Dort wollen wir auch Biondis Weine verkosten. Wir sitzen im Grünen mit Blick aufs Meer und auf den Ätna. Outis 2015 weiß (Carricante, Catarratto): Erdbeere, Gummi, sehr saftig und mineralisch. Der Name des Weines kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Niemand“. Chianta 2013 (Carricante): . Für Biondi soll der Wein eine burgundische Stilistik haben. Der Wein lagert 9 Monate im Eichenfass, was sich im dezenten Vanilleton wiederfindet. Es ist ein sehr komplexer Wein mit Noten nach Feuerstein, buttrigen Tönen, im Mund Agrumen, sehr lang anhaltend. Outis 2014 (rot): Sauerkirsch, Kaffe in der Nase, am Gaumen salzig-mineralisch, etwas (zu) trockene Tannine, wirkt noch sperrig. Cisterna fuori 2012 (rot): Kaffeenoten, im Mund etwas bitter und leicht trocknend, aber gutes Potential.

Tagebucheintrag vom 22.4.16

Cottanera, Castiglione di Sicilia

Das Weingut liegt auf der Nordseite des Ätna auf 700m Meereshöhe und wird seit 1960 von der Familie Cambria geführt. Insgesamt stehen 62 unter Reben, es werden sowohl die typischen autochthonen weißen und roten Rebsorten sowie auch Viognier, Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah und Mondeuse angebaut. Die Produktion beläuft sich auf 300.000 Flaschen.fuenftes

Alles wirkt sehr gepflegt und gediegen, die Lage ist beeindruckend. Etwas Besonderes ist der Verkostungsraum: in einem der Ohrensessel aus Leder sitzend hat man durch das tief heruntergezogene Fenster den Blick frei auf den rauchenden Feuerspucker. Großes Kino!

Von den verkosteten Weinen gefiel uns besonders der L’Ardenza 2010 aus 100% Mondeuse: die Tannine waren zwar noch etwas ungestüm, aber der Wein war saftig mit Noten nach Lakritze. Der weiße Barbazzale 2014 (Viognier und Catarratto) zeichnete sich durch leicht floreale Noten wie Holunder aus, im Mund schöne Mineralität. Der Etna Rosso 2011 mit 90 % Nerello Mascalese reift 9 Monate im Fass, davon die Hälfte im Barrique, das zu 30 % neu ist. Danach bleibt der Wein nochmals 18 Monate in der Flasche, ehe er in den Verkauf gelangt. In der Nase finden sich Noten von roten Früchten, etwas Vanille, am Gaumen präsentiert er sich gut strukturiert und dicht, mit sehr präsenten Tanninen, die noch etwas Zeit brauchen, um geschmeidiger zu werden. Insgesamt ein schöner, interessanter Wein.

Nicht weit von Cottanera befindet sich das Weingut, das wir als nächstes besuchen wollen:

Passopisciaro, Castiglione di Sicilia

Andrea Franchetti war von Anfang an vom Potenzial der Zone und der Rebsorten überzeugt. Seinen ersten Wein, den Passopisciaro, produzierte er im Jahre 2001. Inzwischen hat er sich mit seinen Weinen einen Namen gemacht. Neben Nerello Mascalese mit Reben, die teilweise bis zu 100 Jahre alt sind, baut er auch Chardonnay, Petit Verdot sowie Cesanese d’Affile in kleineren Mengen an. Die Jahresproduktion beläuft sich auf insgesamt ca. 90.000 Flaschen, es werden 26 ha bearbeitet. Franchetti setzt auf Cru-Weine. Inzwischen gibt es 5 Einzellagen: Contrada Chiappemacine, Contrada Porcaria, Guardiola, Sciaranuova sowie die höchste Lage Contrada Rampante, die auf 1000 Metern Meereshöhe liegt. Jede Lage, zwischen 1 und 1 ½ ha groß, liefert ungefähr 2500 Flaschen. Es wird sehr stark ausgedünnt, auf Chemie im Weinberg wird vollständig verzichtet. Den Wein “Franchetti” bezeichnet er als Experiment, die Zusammensetzung der Trauben variiert jedes Jahr. Verwendet werden Petit Verdot und Cesanese d’Affile. Bei der Verkostung können wir uns davon überzeugen, dass Franchettis Weine ohne Zweifel zu den großen gehören. Alle Weine zeichnen sich durch eine klare Stilistik aus und haben diesselbe Handschrift.

Der Passopisciaro 2013 (100% Nerello Mascalese), ein Blend aus den Trauben der unterschiedlichen Contrade, die nicht für den jeweiligen Cru-Wein verwendet werden, duftet nach Himbeere, Jod, Rosmarin, am Gaumen zeigt er sich fruchtig, aber auch würzig, sehr lang und sehr elegant. Auch der Sciaranuova 2013, einer seiner Lagenweine, lässt großes Potential erkennen, auch wenn er noch etwas unrund wirkt. Noten nach grüner Paprika sind dominant. Der Franchetti 2013 aus 100% Petit Verdot präsentiert sich in der Nase vielschichtig nach Himbeere, Zimt, schwarzem Pfeffer duftend, im Mund besticht er durch wunderbar feinmaschige Tannine, würzig-pfeffrige Noten und langen, sehr langen Abgang.

Mittagessen im Ristorante Quota Mille, Randazzo:

Um wieder fit für den Nachmittag zu sein, wollen wir uns mit einem “spuntino” stärken. Unsere Wahl fällt auf das Lokal „Quota Mille“, wie der Name schon sagt, auf 1000m Meereshöhe gelegen. Gut sichtbar ist die Lavazunge des Ausbruchs von 1981, die sich nicht weit vom Lokal heruntergewälzt hat. Das Lokal befindet sich in einem alten palmento, also dem Raum, wo früher der Wein gepresst wurde.

Schnell stellt sich heraus, dass es wohl nicht beim geplanten spuntino bleiben wird: schnell werden vom freundlichen Personal wundervolle Antipasti aufgetischt: gebratene Artischocken, Weichkäse in Kräuterkruste, Wachteleier, diverse salumi, eingelegtes Gemüse… Bemerkenswert ist auch die sehr gute Auswahl an lokalen Weinen. Wir entscheiden uns für den Cirneco 2009, einem reinsortigen Nerello Mascalese von Terrazze dell’Etna, der richtig gut zum herzhaften Essen passt. Ausreichend gestärkt machen wir uns auf zu unserem nächsten Ziel:

Graci, Passopisciaro

planetaRiccardo, der Mitarbeiter von Alberto Graci, empfängt uns im alten Weingut, das mit großer Sorgfalt restauriert wurde. Schnell ist er in seinem Element und erzählt mit Überzeugung von der Philosophie der Azienda. Graci hat im Jahr 2004 mit dem Weinmachen in Passopisciaro begonnen. Von Anfang an war ihm wichtig, möglichst wenig in den Kreislauf der Natur einzugreifen. So ist die Losung, die er an seine Arbeiter ausgibt folgende: das was gelesen wird, müsstet ihr essen wollen, das heißt nur bestes Traubengut kommt in die Weine. Es wird auf die Kraft der Natur gesetzt, sowohl im Weinberg als auch im Keller, das heißt keine künstliche Bewässerung und kein Einsatz von Reinzuchthefen; die Vergärung erfolgt spontan mit Naturhefen, der Ausbau der Weine entweder in Zement oder in mittleren bis großen Fässern. Die Jahresproduktion beläuft sich auf ca. 70.000 Flaschen, die Weinparzellen erstrecken sich bis auf 1100 m und sind teilweise mit sehr alten Reben bestückt. Die meisten Weine werden in die USA exportiert, lediglich 20 % bleiben in Italien. Der Etna Bianco Arcurìa 2013, ein reinsortiger Carricante, zeichnet sich durch schöne Mineralität und Noten nach Akazienhonig und Zitrusfrüchten aus, der Etna Rosso Arcurìa 2013 zeigt in der Nase Noten nach Lakritze und Brombeere, im Mund besticht er durch ein strammes Tanningerüst und sehr gutes Potential. Sehr interessant auch der Etna Rosso Arcurìa 2012: balsamische Noten, Amarenakirsche, sehr süß im Eingang mit wunderbarem Schmelz und langem Nachhall.

Planeta, Passopisciaro

Die Familie Planeta hat neben dem Bau eines neuen Weingutes in Sciara Nuova in der Nähe von Passopisciaro in die Restaurierung eines alten Wohnkomplexes investiert, das aus mehreren kleineren und größeren Gebäuden besteht. Wir werden vom jungen Mitarbeiter Dario empfangen. Er erklärt uns, dass die Familie mehrere Standorte in Sizilien hat und dort Weine produziert. Das Kellergebäude in der Weinlage Feudi di Mezzo ist eines der jüngsten der insgesamt 5. Auf 22 ha werden 5 verschiedene Weine produziert, darunter auch ein Riesling und ein Blauburgunder – ein Experiment, wie Dario sagt. Die Produktionsweise ist biologisch, bis zur Zertifizierung wird es allerdings noch 2 Jahre dauern. Für die Weißweine finden sich hier ideale Bedingungen, da die Tage warm und die Nächte kühl sind, zudem ist es konstant windig, was der Fäulnis der Trauben entgegenwirkt. Die Verkostung eröffnen wir mit einem Carricante metodo classico, der 20 Monate auf der Hefe liegt. Trotzdem wirkt er frisch mit feiner Perlage. Der Etna Bianco 2015 aus 100 % Carricante gefällt durch floreale Noten und einen ausgeprägten Geschmack nach reifem Golden Delicious. Der Riesling 2014 Eruzione 1614 (benannt nach dem großen Ausbruch des Ätna 1614, der 10 Jahre andauerte) hat eine leichte Petrolnote, Pfirsich und Jasmin, im Mund spürt man die Mineralität und die markante Säurestruktur; dürfte sich in der Flasche noch gut entwickeln. Etwas Besonderes ist der reinsortige Nerello Mascalese 2013 Eruzione 1614. Er präsentiert sich sehr rund, elegant mit schöner, ausgeglichener Säure und nicht zu dominanten Tanninen. Auch die Weine aus den 4 weiteren Weingütern sind interessant, wie der uns bereits bekannte Burdese 2010 oder auch der Chardonnay 2014, bei dem inzwischen ganz auf den Einsatz von neuem Holz verzichtet wird, was dem Wein keineswegs schadet.

Tenuta di Fessina, Castiglione di Sicilia

Die Unternehmerin Silvia Maestrelli aus der Toscana hat sich mit der Übernahme dieses Weingutes im Jahr 2007 gemeinsam mit dem bekannten Önologen Federico Curtaz neuen Herausforderungen gestellt. Bis vor 25 Jahren war das sehr schön umgebaute Gebäude ein palmento, also eine Anlage, in der die Trauben weiterverarbeitet wurden.

resumeMit viel Mühe und finanziellem Aufwand wurde der palmento restauriert, so dass man das perfekt ausgeklügelte System von Becken, die den Saft auffangen und die Ableitungen in die Fässer in seiner ursprünglichen Form bewundern kann. Auf dem Weingut werden 14 ha bearbeitet und 65.000 Flaschen produziert, die Parzellen befinden sich in der Nähe von Rovitello und Cavaliere. Als Önologe zeichnet seit 2015 Gian Domenico Negro verantwortlich. Maestrelli ist es gelungen, in diesen knapp 10 Jahren Ätnaweine auf höchstem Niveau zu produzieren. Davon können wir uns bei der Verkostung überzeugen. Besonders beeindruckend ist der Etna Bianco A`Puddara 2013. Die Fermentation erfolgt in Eichenfässern, die Reifung erfolgt im Stahl. Bereits in der Nase präsentiert sich der Wein sehr komplex: Feuerstein, Kamille, Apfel, Mandarinenschale, im Mund Zitrusnoten, elegant, saftig und sehr lang! Der Etna Bianco Il Musmeci 2013 aus 100 % Carricante, der nur im Stahltank ausgebaut wird, zeigt in der Nase floreale Noten, Mandel und leichten Feuerstein, im Mund sehr intensive Zitrusnoten und eine schöne Säurestruktur. Interessant ist auch der Etna Rosso Erse 2014, der ebenfall nur im Stahl ausgebaut wird: delikate Noten nach Veilchen, Kirsch, Marzipan; im Mund sehr ansprechend und trinkig. Den Abschluss bildet der Etna Rosso Il Musmeci 2010 aus 100 % Nerello Mascalese: Balsamische Noten, Würze in der Nase, im Mund dicht, mit schönem Schmelz, wunderbar eingebundene Tannine und mit einer außergewöhnlichen Länge – beeindruckend!

Zum Abschluss fahren wir nach Taormina, um dort in der „Osteria del Nero d’Avola“ zu essen: nettes Lokal mit freundlichem Chef, der sich der „slow food“-Philosophie verschrieben hat. Die rohen Fischvorspeisen sind sehr gut, der Schaumwein von Terrazze dell’Etna rosè (aus Nerello Mascalese) passt vorzüglich dazu.

Resümee unserer Reise:

Die Ätnaweine präsentieren sich vielschichtig und elegant, zeichnen sich durch Langlebigkeit aus, die besten Gewächse brauchen den Vergleich mit Weinen aus Burgund oder Piemont nicht zu scheuen. Auch wenn es in der Gegend um den Ätna noch relativ gemächlich zugeht, zeigen sich doch bereits Ansätze eines einsetzenden Booms. Das merkt man an den angezogenen Preisen für einige Weine, das hört man aus den Beschreibungen einiger Weinproduzenten heraus, die allzu oft die Ähnlichkeit ihrer Tropfen mit denen aus Frankreich oder den Langhe bemühen. Klar ist: Die Weine wollen verstanden werden, sie erschließen sich nicht unmittelbar und sind eng mit dem Terroir verknüpft. Das macht sie einzigartig. So wie die Produzenten, die mit viel (auch körperlichem) Einsatz und Hingabe die Parzellen bearbeiten. Also: Sizilien ist allemal eine Reise wert!schluss

14 Feb 2016

Im Paradies des deutschen Spätburgunders

Die Weinrunde in Baden

Es tut immer wieder gut, über den Tellerrand hinauszuschauen und damit den eigenen Horizont zu erweitern. Dies kann auf unterschiedliche Art geschehen. Die wohl nachhaltigste Möglichkeit ist, sich auf Reise zu begeben und die Möglichkeit des direkten Kontaktes mit Land und Leuten zu nutzen.

Bereits vor einigen Jahren war die Reise an die Mosel eine Offenbarung für uns (seither sind wir erklärte Riesling-Fans). Dass in Deutschland, genauer in Baden, auch hervorragende, ja große Burgunder erzeugt werden, wussten wir zwar, doch hatten wir bisher nicht die Gelegenheit gehabt, uns davon zu überzeugen.

Baden erstreckt sich in einem ca. 140 km langen KaiserstuhlStreifen von Basel bis nach Baden-Baden. Insgesamt gibt es sieben Weinbauzonen in Baden. Die besten Blauburgunderlagen finden sich in den Bereichen um den Kaiserstuhl, einem 500 m hohen Vulkankegel, der mit angewehtem Löß bedeckt ist, und dem 300 m hohen Tuniberg, der aus Kalkstein besteht. Die Gegend um den Kaiserstuhl gehört zu den wärmsten in ganz Deutschland. So werden im Sommer bis zu 40 Grad gemessen. Die Winzer, die um den Kaiserstuhl und den Tuniberg ihre Reben hegen und pflegen, wollen wir besuchen und uns von der Qualität der Badischen Burgunder ein Bild machen.

Tagebucheintrag vom 24.4.15

Weingut Bernhard Huber – Malterdingen im Breisgau

Wir sind bei einem der Großen der Badischen Winzerszene, wenn nicht DEM Großen. Nachdem Bernhard Huber 2014 plötzlich verstorben ist, führen seine Frau und sein Sohn das Weingut. Die Wände des Verkostungsraumes sind mit Auszeichnungen aus dem Gault Millau austapeziert.

Es werden im Jahr 180.000 Flaschen produziert, auf 30 ha, davon fallen 70 % auf Pinot noir. Die Bedingungen sind ideal, sehr den Bodenverhältnissen der Cotes d’Or ähnlich, nämlich Muschelkalk. Wir werden darüber aufgeklärt, dass im 13. Jahrhundert die Zisterzienser die Pinot-Reben aus dem Burgund mitgebracht haben. Die Rebe sei wie eine empfindliche Ehefrau, erklärt uns Peter Lepold, der Verkaufsleiter der Hubers. Es wird versucht, auch in schlechteren Jahrgängen die Qualität zu halten, dafür wird mehr im Weinberg selektioniert. Doch nicht nur für die Weine bietet die Gegend ein großes Potential, auch für Feinschmecker ist die Gegend ein gelobtes Land, findet sich doch die höchste Konzentration an Sternelokalen hier. Von der gesamten Produktion gehen 20 % nach Japan.

Bei der Verkostung des „einfachen“ 2012er gefällt uns die schöne Himbeerfrucht und die knackige Säure. Der 2012er sei einer der besten Jahrgänge seit Langem.

Der Bienenberg Großes Gewächs 2012 reift 18 Monate im Barrique, die Reben sind zwischen 40 und 65 Jahre alt. In der Nase Noten nach Feuerstein, verbranntem Gummi, Schweiß, er weist eine sehr gute Struktur und sehr feine, elegante Tannine auf.

Der 2012er Sommerhalde Großes Gewächs zeigt sich noch sehr verschlossen, lässt aber einen großen Wein erahnen.

Der Schlossberg Großes Gewächs zeigt rauchige Noten, Räucherspeck, sehr komplexer Wein.

Tagebucheintrag vom 24.4.15

Weingut Reinhold & Cornelia Schneider, Endingen (Kaiserstuhl)

Der Kaiserstuhl besteht aus Vulkangestein. Das Weingut findet sich mitten in Endingen; in der Mitte des Innenhofes steht eine wunderschöne, 120 Jahre alte Eiche. Wir werden vom Sohn Martin empfangen.

Ohne Umschweife gehen wir zur Verkostung der Weine. Der Sohn hat eine trockene, aber nicht unsympathische Art zu erzählen. Zu den Eckdaten: die Schneiders bearbeiten knapp 8 ha mit einem Ertrag von 10.000 Flaschen. Von der Produktion entfällt die Hälfte auf Spätburgunder, die andere Hälfte sind Weiße. Jedes Jahr wird zwischen 15 und 20 % neu gepflanzt.

Wir beginnen mit dem Auxerrois, einer eigenen Rebsorte, die die Hugenotten mitgebracht haben. Der Wein ist sehr gefällig und trinkig.

Die Lese erfolgt bei den Schneiders noch klassisch per Hand, anschließend werden die Trauben im Ganzen gepresst. Alle Burgunder werden im großen Holzfass vergoren. Vor der Füllung liegen die Weine bis zu 2 Monate auf der Hefe.

Hervorzuheben der 2011er Weißburgunder Auslese 2011. Sehr schöner Wein mit knackiger Säure und leichter Restsüße im Abgang sowie der Graue Burgunder Auslese R 2011: Rauchig, Zitrus, im Mund knackige Säure.

Spätburgunder 2011 Diehl: Saftig, rund. Er wächst auf Lößboden, es handelt sich um einen warmen Standort. Spätburgunder Schönenberg 2011: elegant, schön eingebundenes Holz, Erdbeernoten im Trunk.

Die Unterschiede der Böden widerspiegeln sich in den Weinen: Lößboden bringt weichere, etwas breitere Weine hervor, der Vulkanboden sorgt für mehr Mineralität und knackigere Säure.

Übernachtung in der „Krone“ in Gottenheim. Zimmer nett, Frühstück gut, Essen unterschiedlich.

Tagebucheintrag vom 25.4.15

Weingut Dr. Heger, Ihringen

Wir starten unsere Verkostungstour im schmucken Örtchen Ihringen, die Fassaden sind herausgeputzt, das Wetter ist zum Eierlegen.

weinrunde2Da wir um 9 Uhr unangemeldet hereinschneien, ist die sympathische Dame im Verkaufsraum etwas überfordert. Allerdings verspricht sie, uns in einer Stunde zu empfangen. So ist es dann auch. Sie erklärt kompetent und freundlich die Geschichte des Weingutes. Es wurde im Jahr 1935 vom Arzt Dr. Max Heger gegründet. Er betrieb den Weinbau neben seiner Arztpraxis. Seit 1992 führt Joachim Heger, der Enkel von Max, das Weingut. Um die große Nachfrage zu befriedigen, wurde im Jahr 1986 das “Weinhaus Dr. Heger” ins Leben gerufen. Vertragswinzer liefern Trauben, die dann im Betrieb verarbeitet werden.

Rund 40 ha stehen unter Bearbeitung des Weingutes, davon werden 120.000 Flaschen erzeugt.

Die Gran-Cru-Lagen Ihringer Winklerberg und Achkarrer Schlossberg sind steile Lagen auf Vulkangestein. Hier werden die höchsten Durchschnittstemperaturen von ganz Deutschland gemessen, mitunter kann es bis zu 40 Grad heiß werden. In den Steillagen wird mit Raupen gearbeitet, in den Lagen der Großen Gewächse kommt ganz traditionell ein Pferd zum Einsatz, um den Boden so wenig wie möglich zu belasten. Die Großen Gewächse kommen nach zwei Jahren in den Verkauf. Die Jahrgänge 2011 und 2012 waren sehr gut, der 2013er Jahrgang brachte säurereichere Rote hervor.

Die Verkostung der Weine gestaltet sich herausfordernd: bereits am Morgen so viele Weine zu verkosten ist nicht einfach, zudem sind die Weine viel zu schade, um sie alle zu spucken. Doch anders geht es leider nicht. Wir verkosten die Weine immer im Zweiervergleich.

Beim Vergleich seien hervorzuheben der 2012er Winklerberg gegen den Achkarrer Schlossberg, beides Große Gewächse. Der Winklerberg präsentierte sich schon zugänglich, während der Achkarrer Schlossberg noch sehr verschlossen war – beides sehr interessante Weine.

Dass die Weine Alterungspotential haben, zeigt die Verkostung des 2004er und des 2007er Winklerberg. Der 2007er weist elegante, leicht rauchige Noten auf, sehr elegant und rund, während der 2004er in der Nase zwar leichte Alterungstöne aufweist, sich im Mund aber noch erstaunlich präsent zeigt.

Eine Klasse für sich ist der 2012er „Häusleboden“ Winklerberg: Trinkeleganz von vorne bis hinten, sehr schöne Fruchttiefe, wunderbar feinmaschige, eingebundene Tannine. Er wird im großen Fass vergoren und reift dann im kleinen Fass. Es handelt sich um die höchsten Lagen und alte Reben. Der Genuss hat seinen stolzen Preis: 68 Euro…

Weingut Bercher – Burkheim

weinrunde3Das Weingut liegt im malerischen Örtchen Burkheim mit einem wunderschönen Ortskern. Der Flieder blüht. Hier lässt es sich lauschig unter Bäumen sitzen und sinnieren… Doch der gemütliche Teil kommt später. Martin Bercher empfängt uns im sehr schönen, fast 300 Jahre alten Haus. Wie er uns erklärt, ist seine Familie in 10. Generation hier und bewirtschaftet den Hof. Dazu gehören 24 ha Eigenlagen sowie 11 ha in Pacht. Der Winzer bewirtschaftet das Gut gemeinsam mit seinem Bruder. Der 46jährig ist sehr gesprächig, redet schnell und lacht viel. Er betreibt auch noch einen Cateringservice, bei dem er zu den zubereiteten Gerichten die passenden Weine kredenzt. Er sagt, seine beiden Kinder, 12 und 15, sollen ihre Gaumen schulen, indem sie mit ihm Essen gehen, das wäre manchmal besser als in die Schule gehen…

Auch zum Klimawandel hat Martin etwas zu sagen: „Wir müssen vorbereitet sein auf die allgemeine Erwärmung. Deshalb bauen wir seit den 90er-Jahren Merlot und auch Cabernet an.

Die Bercher-Weine zeichnen sich durch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aus. So ist der Weißburgunder Burkheimer 2014 Ortswein ansprechend, mit dezenten Zitrusnoten und schöner Säure. Der Weißburgunder Feuerberg Haslen Großes Gewächs 2013 hat Fülle, Frucht und Eleganz, ebenso der Grauburgunder aus derselben Lage, der dazu noch geschmeidig buttrig-schmalzig wirkt. Chardonnay Spätlese 2013: der Wein hat einen schönen Zug, es handelt sich um eine Lagencuvee, die Böden sind Löss und vulkanischen Ursprungs. Dieser Wein sollte laut Martin hervorragend zu exotischen Gerichten passen.

Interessant auch der Blanc de Noir, bei dem der Saft des Spätburgunders Feuerberg 2011er abgezogen wurde. Auch hier, meint Martin, würde ein Curry perfekt passen.

Er unterstreicht, dass sie nicht einen französischen oder internationalen Spätburgunder machen, sondern einen Badischen.

weinrunde4Spätburgunder Burkheimer Feuerberg Großes Gewächs 2012: Komplexe Nase, sehr schöner Wein (Kommentar von Martin: Wir bleiben mehr auf der fruchtigen Seite, anders als z. B. Huber, der eher französische Stilistik macht oder Schneider, dessen Weine gerbstoffbetonter sind.“)

Zum Abschluss führt uns Martin noch in den Keller. Das freitragende Gewölbe sei einzigartig hier in der Gegend, sagt er. Zum Abschied gibt es noch das obligate Gruppenfoto mit dem sympathischen Winzer.

Weingut Salwey – Oberrotweil

Das Wunderbare bei den Badischen Weingütern ist, dass man auch ohne Voranmeldung hereinschneien kann. Die Türen sind sozusagen immer offen, der Verkauf ab Hof hier in dieser Gegend normal.

So besuchen wir auch das Weingut Salwey, wo uns Karin Bolz, die Schwester des 2011 verstorbenen Seniorchefs und Tante des jetzigen Chefs Konrad, die Weine kredenzt und wortreich beschreibt und erzählt. Durch das besondere Klima in der Oberrheintalebene ergäben sich hier meist gute Jahrgänge, erfahren wir. Der Kaiserstuhl sei die Region mit der höchsten Sonnenscheindauer in Deutschland, auch sei die Niederschlagsverteilung ideal. Die besonderen Böden aus Löß und verwittertem, wärmespeicherndem Vulkangestein gäben den Weinen eine schöne Mineralität. Spätburgunder Reserve Salwey 2012: Himbeerfrucht, leichter Bitterton, aber schön zu trinken, Spätburgunder Kirchberg Großes Gewächs 2012: komplexer Wein mit großem Entwicklungspotential.

Während wir verkosten und fachsimpeln, schaut der Chef kurz vorbei, ein smarter junger Mann, und hebt lobend hervor, dass er bei seinem Besuch in Südtirol herzlich aufgenommen wurde. Wie könnte es auch anders sein…

Tagebucheintrag vom 26.4.

Noch kurz bei Schneider in Endingen vorbeigeschaut, um den bestellten Wein abzuholen. Die Ladekapazität der Kofferräume ist langsam erschöpft. Das Ehepaar begrüßt uns freundlich, es reicht aber nur für einen kurzen Smalltalk, wir müssen weiter. Wir wollen den Rhein überqueren und einen Abstecher ins Elsass machen.

Nachdem wir die natürliche Grenze überquert haben, fällt einerseits die französische Straßenbeschilderung auf, andererseits sind die Namen der Dörfer, durch die wir fahren, deutsch. Und sie erinnern sehr an deutsche Ortschaften mit ihren schmucken Fachwerkhäuschen. Sind wir nun in Frankreich oder in Deutschland? Vermutlich haben die Menschen hier damit zu leben gelernt, dass sie einerseits zu Frankreich gehören, andererseits deutsche Wurzeln haben. Hier wird auch noch (zumindest von den älteren Bewohnern) ein Dialekt gesprochen, der sich aus dem Alemannischen herleitet. Die Dörfer, durch die wir kommen, haben sich einen Charme erhalten, der kaum noch zu finden ist. Hier wirkt nichts disneylandtouristisch herausgeputzt und aufgemöbelt.

Der Gebirgszug der Vogesen schirmt die Weinberge vor zu viel Regen ab, und die Spitzenlagen zwischen Bergheim und Gueberschwihr werden am besten geschützt, da dort die Berge am höchsten sind. Unser Ziel ist Bergheim, wir wollen zu einem der Großen im Elsass, zu

Domaine Marcel Deiss – Bergheim

weinrunde5Wir sind nicht die einzigen Gäste (was bei so einem bekannten Namen nicht anders zu erwarten war), so dass der perfekt italienisch sprechende Mitarbeiter immer wieder von einem Tisch zum anderen springen muss. Er erklärt uns, dass Marcel Deiss ein großer Verfechter des Terroir-Gedankens ist. Die Beschaffenheit und der Charakter des Bodens müssten sich im Wein widerspiegeln. Zudem setzt er konsequent auf biodynamischen Weinbau.

Wir verkosten die verschiedenen Qualitäten, angefangen von der Cuvee Berkem 2012, die alle Rebsorten des Elsass ausdrücken soll. Die Honignoten in der Nase finden sich im Gaumen mit einer schönen Süße wieder. Die Cuvee Engelgarten2012 hat Anklänge an Rosinen, Honig und am Gaumen eine schöne Mineralität. Der Lagenwein Grasberg 2010 zeichnet sich durch große Komplexität und schöne Mineralität aus. Die Gran Cru Schoenenbourg 2010 wird aus 100 Jahre alten Reben erzeugt. Er hat Zitrusnoten in der Nase, ein wunderbares Süße-Säurespiel und große Fülle.

Liegt es an der zwar durchaus professionellen, aber etwas unpersönlichen „Abwicklung“ der Verkostung, die auch geprägt ist von relativ langen Wartezeiten auf den Angestellten oder auch an der eigenen Stilistik der Weine, die sich uns nicht unmittelbar erschließen? Wir gehen mit gemischten Gefühlen und etwas unsortierten Eindrücken weg.

Nun brauchen wir eine Stärkung. Es bietet sich die Wistub du Sommelier in Berkheim an. Das sehr schöne, alte Lokal ist hübsch eingerichtet, die Chefin empfiehlt kompetent und mit etwas lauter Stimme Weine aus der Gegend. Die Weinkarte zeichnet sich durch Etiketten lokaler Produzenten aus, bekanntere wie auch kleine, unbekanntere Produzenten. Das Essen überzeugt nicht alle, dafür schmeckt uns der Pinot Noir „F“ 2012 des jungen Winzers Florian Beck-Hartweg so gut, dass wir beschließen, ihm einen Besuch abzustatten.

Domaine Florian Beck-Hartweg – Dornbach La Ville

weinrunde6Die Eltern von Florian empfangen uns freundlich im Innenhof des über 200 Jahre alten Hauses. Alles ist sehr einfach, hier würde der Begriff WeinBAUERN im besten Wortsinn zutreffen. Die Familie produziert auf 6 ha ca. 25.000 Flaschen nach biologischen Grundsätzen. Hier wird noch alles von Hand gemacht, der Ertrag wird niedrig gehalten. Auch hier hatte man im letzten Jahr Probleme mit der Kirschessigfliege. Die Rotweine werden nur in alten Fässern vinifiziert, um die Tannine und die Frucht der Trauben zu behalten. Wie uns die Mutter im elsässischen Dialekt erklärt, ist die Gran-Cru-Einzellage nach dem nahegelegenen Frankstein benannt, einer Graniterhebung. Der Vater scherzt, dass der Sohn über zwei sehr kostengünstige Mitarbeiter verfüge, nämlich die Eltern. Beide sind überzeugt von dieser Art des Weinerzeugens, für sie scheint es der einzig richtige Weg zu sein. Es gilt, mit Respekt gegenüber dem Boden, den Trauben und den Menschen, die ihre Weine genießen wollen, zu arbeiten und zu wirtschaften.

strassbourgDer Pinot Noir Cuvee Prestige 2013, den wir verkosten, wächst zwar in den Gran-Cru-Lagen, darf aber nicht als solcher klassifiziert werden, weil diese Rebsorte nicht in die Appellationsbestimmungen fällt. Der Wein hat schöne Frucht und präsente Tannine. Sehr interessant der Pinot Gris Gran Cru Frankstein 2012 mit florealen Noten und im Gaumen schöne Frucht und Anklänge an Mandel, hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis! Der Gewurztraminer Vendange Tardive 2008 duftet nach Rosen, im Mund sehr sauber mit eleganter Süße. Überraschend gut auch der Gewurztraminer Selection de Grains Nobles 2007: Intensive Noten nach getrockneten Früchten (Marille, Sultanine), im Gaumen elegant mit schöner Mineralität.

Unsere Fahrt geht weiter nach Strassburg, wo wir im hervorragenden Restaurant et Boudoir 1741 für den Abend einen Tisch reserviert hatten. Das Essen war ein Genuss, der Service sehr professionell und freundlich.

Tagebucheintrag vom 27.4.

Weingut Dujn, Bühl

Vor unserer Heimfahrt wollen wir nochmals Jacob Duijn (gesprochen Doin) in Bühl einen Besuch abstatten, bei dem wir bereits bei unserer Ankunft vorbeigeschaut hatten. Wir treffen den ambitionierten Holländer und seine bosnische Frau in ihrer gut sortierten Vinothek im Industriegebiet von Brühl. Der Verkostungsraum ist recht gemütlich, hier wurde mit wenig Aufwand etwas Ansprechendes gemacht. Mit seiner holländischen Offenheit empfängt er uns. Er war Sommelier (u. a. bei Witzigmann), dann auch Weineinkäufer bei der Bremer Importfirma Segnitz. Hier in Bühl hat sein Traum vom eigenen Weingut Gestalt angenommen, als er im Jahr 1994 seinen ersten Weinberg kaufte. Inzwischen verfügt er über Spitzenlagen wie dem Bühlertaler Engelsfelsen oder dem Altschweier Sternenberg.

Seine Passion gilt dem Spätburgunder. Der Autodidakt produziert auf 6,5 ha pro Jahr an die 20.000 Flaschen. Es sei es nicht einfach Fuß zu fassen, erzählt er, vor allem, wenn man einen etwas anderen Weg einschlägt wie er. So setzt er auf Spontanvergärung, konsequent biologischen Weinbau ohne Chaptalisierung und vertraut dabei ausschließlich auf die Kraft der Natur. Er sei kein Grüner, sagt er, aber es sei unsere Verpflichtung, auf die Natur zu achten und mit den Gesetzen der Natur zu arbeiten.

Er sagt, er lasse den Wein kommen wie er kommt. Wenn man dem Lauf der Natur folgt, können auch kleinere Jahrgänge herauskommen, denn man könne eben nicht jedes Jahr einen großen Wein machen. Diese kleineren Jahrgänge seien beim Pinot „sexy“, meint Dujn.

Viele denken, Pinot müsse jung getrunken werden, Jacob Dujin ist aber überzeugt, dass seine Weine im Alter erst richtig interessant werden. Er sagt er trinke jeden Tag einen Pinot von anderen Erzeugern weltweit. Mit der Vinothek habe er die Welt hier!

Gelernt hat er sein Handwerk u. a. bei Bernhard Huber, der bei einer Verkostung seiner Weine gesagt haben soll: „Der Wein hat einen Fehler, einen großen Fehler – er liegt im falschen Keller!“ So viel zur Bewertung seiner Weine durch einen Pionier des Badischen Pinot…

Auch wir können uns bei der Verkostung von der Qualität seiner Weine überzeugen:

Der Pinot noir „SD“ 2006 verfügt über große Eleganz, schöne Fruchttiefe und großes Potential; der Pinot noir „SD“ 2004, ein etwas schwieriger Jahrgang, hat eine markante Säure und wirkt im Gaumen noch etwas sperrig; Pinot noir „SD“ 2002 aus der Magnumflasche ist sehr elegant, würzig, mit großer Fülle und schönen, dezent rauchigen Noten.weinrunde8

Und so treten wir auch diesmal die Heimfahrt mit vielen interessanten Eindrücken, neuen Erkenntnissen, Erinnerungen an nette Begegnungen mit freundlichen, offenen Menschen und nicht zuletzt prall gefüllten Kofferräumen an.

wg

7 Nov 2014

Auf gute Nachbarschaft

Die Weinrunde im Trentino

Tagebucheintrag vom 7.11.14

Die „bollicine“, also Schaumweine, die in der Flasche vergoren werden, sind ein Thema, dem wir uns bisher nicht wirklich intensiv gewidmet hatten. Da es in unserer Nachbarprovinz Trentino, aber auch in Südtirol einige namhafte Hersteller von hochwertigen Schaumweinen gibt, wollten wir diese Lücke schließen und gleichzeitig auch die Gelegenheit nutzen, einige interessante Rotweine zu verkosten. Weiterlesen

25 Apr 2013

Von Charakterköpfen und Charakterweinen

Die Weinrunde im Roussillon

Tagebucheintrag vom 25.4.2013

Die Côtes du Roussillon liegt von uns aus nicht gerade ums Eck, um sich in einem gemütlichen Ausflug als Ziel ansteuern zu lassen. Das sollte uns aber nicht abhalten, die Tour de Force auf uns zu nehmen und in 12 Stunden von Bruneck bis knapp an die Spanische Grenze, zu den Ausläufern der Pyrenäen, zu brettern. Das Ganze in einem Kleinbus, der sich wunderbar eignet, eine Kinderfussballmannschaft ins benachbarte Dorf zum Spiel zu karren, als Gefährt für lange Strecken aber durchaus seine Grenzen hat, vor allem in punkto Komfort. Trotzdem: wir haben es geschafft und wie immer, sehr interessante Eindrücke (und nicht zuletzt auch Weine!) mitgebracht. Aber schön der Reihe nach.

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9 Nov 2012

Geschichtsträchtige Hügel und autochthone Sorten

Die Weinrunde in den Colli Orientali del Friuli

Tagebucheintrag vom 9.11.12

Pervini, Povoletto

friaul_01Erste Station unserer kurzen Reise ist das Weingut Pervini in Povoletto. Der junge, ambitionierte Alessandro Pervini führt das Weingut inzwischen mit seinem Vater. Er erzählt, dass seine Linie, sich auf wenige Weine zu konzentrieren, anfangs bei seinem Großvater auf Unverständnis gestoßen sei. Jetzt hätten sich die Wogen geglättet, und sowohl der Großvater wie der Vater unterstützen seinen Weg inzwischen. Nach einer 6jährigen Ausbildung in Ospitale folgten Aufenthalten im Bourdeaux und im Burgund, die für ihn prägend waren.

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29 Okt 2011

Nuraghe und Bottarga

Die Weinrunde auf Sardinien

29 Mai 2010

Toscana mon amour

Die Weinrunde in der Toscana

Besuchte Kellereien:

  • Tenuta Valgiano
  • Tenuta Due Mani
  • Le Macchiole
  • Grattamacco
  • Ampeleia
  • Mastrojanni
29 Okt 2009

Im Land des Nebels und der Großen Weine

Die Weinrunde im Piemont

 

Besuchte Kellereien:

  • Cigliutti
  • Sandrone
  • Bartolo Mascarello
  • Rinaldi
  • Domenico Clerico
  • Fratelli Pira

Essen im “Ciao del Tornavento”

29 Apr 2008

Beim Grünen Veltliner an der blauen Donau

Die Weinrunde in der Wachau

Besuchte Kellereien:

  • Ott
  • Rudi Pichler
  • F.X. Pichler

 

Verkostungen:

  • Önothek Fohringer
  • Altweinverkostung im Gasthof “Post”
23 Nov 2007

An der Grenze

Die Weinrunde in Triest

Tagebucheintrag vom 23.11.07

Dass es ein Grenzgang sein würde, war klar. Zumindest in geografischer Hinsicht. Von der ehemaligen k&k-Hafenstadt Triest ist es ja nur einen Steinwurf bis zur slowenischen Grenze.

Dass mich aber auch die Weine an die Grenzen meines Wissens und meiner Erfahrungen bringen würden, darauf war ich nicht vorbereitet. Deshalb beiße ich noch, als hätte ich einen stark tanninhaltigen Wein im Mund, den es weichzukauen gilt.

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